2.2 „Anders als die anderen“ – Alltägliche Diskriminierungen
Diskriminierung – was meint das?
Diskriminieren (Lateinisch „discriminare”) meint im eigentlichen Wortsinn „trennen“ und „unterscheiden“. Etwas unterscheidet sich in einem Merkmal von etwas anderem, es ist anders. „Anders sein“ ist in der Regel nicht neutral, es wird mit einer Wertung verbunden – es ist besser oder schlechter: das Handy ist flacher, der Computer schneller, das Auto sicherer, die Orange süßer und das Wetter besser. Eine solche Bewertung hat Auswirkungen auf unser Verhalten: Wir ziehen den Urlaubsort mit dem besseren Wetter vor und lassen die nicht so süßen Orangen im Supermarkt links liegen.
Wenn Menschen sich in einem gruppenspezifischen Merkmal – wie ihrer ethnischen oder nationalen Herkunft, Hautfarbe, Sprache, politischen oder religiösen Überzeugungen, in Geschlecht, Alter oder Behinderung und natürlich ihrer sexuellen Orientierung – von der lokalen Mehrheit unterscheiden, ist diese Abweichung von der Norm auch nicht immer neutral. Hat dieses „Anders seins“ eine Benachteiligung dieser Menschen zur Folge, sprechen wir von einer „sozialen Diskriminierung“. Jeder Form sozialer Diskriminierung liegt eine Unterscheidung und Bewertung durch eine Mehrheit zugrunde, wie „mensch“ zu sein hat (z. B. weiß, deutsch, männlich, heterosexuell, gesund, leistungsfähig und christlich). Von Diskriminierung betroffen sind damit Gruppen, die den dominanten Normen nicht entsprechen.
Diskriminierende Verhaltensweisen fußen manchmal nicht auf Ablehnungen, sondern schlicht auf Unsicherheiten:
„Eines Tages hat die Mutter eines Schülers von Holger bei uns zuhause angerufen und dann Jan am Telefon gehabt, und ich war gerade nicht da. Als ich kurz darauf zurück rief, meinte die Mutter: „Ich habe gerade mit Ihrem – äh – Anderen gesprochen.“ Holger Henzler-Hübner, Jan-Dirk Hübner und Minh Kai Hübner (16)
Während wir biologische Vielfalt als Grundvoraussetzungen für die Stabilität der weltweiten Ökosysteme anerkennen, wird soziale Vielfalt eher als bedrohlich für unsere Stabilität erlebt. „Anders“ meint fremd, fremd meint unberechenbar, unberechenbar meint unkontrollierbar. Etwas nicht glauben kontrollieren zu können, macht den meisten Menschen Angst, seien es nun Naturgewalten, wilde Tiere, Börsenkurse oder eben anders scheinende Menschen. Wenn wir vor etwas Angst haben, versuchen wir uns zu schützen, in dem wir Abstand schaffen: wir bleiben bei Gewitter im Haus, steigen nicht ins Löwengehege und zahlen unser Geld lieber auf ein Sparbuch ein. Und wie ist das mit Menschen, die uns Angst machen? Wir gehen ihnen aus dem Weg! Gehen Heterosexuelle vermehrt Lesben und Schwulen aus dem Weg? Das können wir so nicht unbedingt sagen. Die Kölner CSDs ziehen jährlich gut eine Millionen Zuschauen an – die Mehrheit ist wohl eher nicht lesbisch, schwul oder bisexuell.
Wie steht es denn dann mit der oft bemühten „Angst vor dem Homosexuellen“, der so genannten „Homophobie“ als Erklärung für soziale Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen?
Homophobie ist wohl eher keine klassische Phobie, ihre Quelle ist nicht Angst. Die Bezeichnung ist irreführend. Anhaltender sozialen Diskriminierung liegt eine Ablehnung von Homosexualität zugrunde und dem, was mit homosexuellen Lebensweisen oder Kultur verbunden wird. Diese „negativen Einstellungen“ beruhen zumeist auf tradierten konservativen Vorstellungen von Geschlechterrollen, die durch die Präsenz von gleichgeschlechtlich Liebenden in Frage gestellt werden. Ein weiterer Grund kann eine unbewusste Angst vor einer eigenen unterdrückten homosexueller Neigung sein, die die eigene Identität grundlegend in Frage stellen würde. Für eine solche ablehnende Haltung sind die Bezeichnungen „Homofeindlichkeit“ oder „Homonegativität“ wohl angemessener.
So oder so: Diskriminierendes Verhalten gegenüber Lesben und Schwulen ebenso wie gegenüber „anderen Merkmalsträgern“ sagt also weit mehr über den Diskriminierenden aus als über das Objekt der Diskriminierung. „Ich bin homosexuell, stimmt. Und was bereitet DIR dabei solchen Stress?“
„Diskriminierungen haben meine Kinder und ich nur in der eigenen Familie erlebt und hier insbesondere durch meine Mutter. Nach dem Coming-Out haben meine Kinder keinerlei Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke erhalten. Alle anderen Enkelkinder dafür umso mehr und noch vor den Augen meiner Kinder.“ Sonja Springer (3)
Jede Ungleichbehandlung eine Diskriminierung?
Diskriminierungen können in Verhaltensweisen von Individuen begründet sein wie auch in Formen der Benachteiligung durch gesellschaftliche Organisationen und staatliche Stellen.
Benachteiligung kann durch Ungleichbehandlung von Gleichen (z. B. Gemeinsames Adoptionsrecht und Regelungen des Abstammungsrechtes nur für verheiratete Paare und nicht für eingetragene Lebenspartner/innen, siehe I 3) zustande kommen, aber auch durch Gleichbehandlung trotz unterschiedlicher Voraussetzungen (z. B. Stiefkindadoptionen eines „gemeinsamen“ Wunschkindes durch die Lebenspartnerin mit gleichen Fristenregelungen wie bei „neuen“ heterosexuellen Ehemännern und -frauen, siehe I 3.3).
Nicht jede Ungleichbehandlung wird als Diskriminierung bewertet. Wenn z. B. einem Jugendlichen unter 18 Jahren kein Alkohol verkauft wird, ist dies sachlich gerechtfertigt, weil es einem anderen rechtmäßigen Ziel dient, dem Schutz des Jugendlichen. Was „rechtmäßige Ziele“ bei Ungleichbehandlung sind, hängt wieder von den zugrunde gelegten Normen ab. In unserer Gesellschaft herrscht z. B. Konsens über die Rechtmäßigkeit von Zielen wie die Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung, die Verhütung von Straftaten, der Schutz der Gesundheit und die Sicherung der Rechte und Freiheiten. Entsprechend versuchen konservative politische Gruppierungen die Schlechterstellung von Eingetragenen Lebenspartnerschaften gegenüber Ehen immer wieder mit dem besonderen Schutz von Ehe und Familie im Grundgesetz zu rechtfertigen. Weil die Ehe besonderen Schutz verdient, müssten Eingetragene Lebenspartnerschaften immer ein paar Rechte weniger erhalten! Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Grundsatzurteil vom 17. Juli 2002 jedoch klargestellt, dass ein solches „Abstandsgebot“ nicht per se als rechtmäßiges Ziel gelten kann: „Der besondere Schutz der Ehe in Art.6 Abs.1 GG hindert den Gesetzgeber nicht, für die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften Rechte und Pflichten vorzusehen, die denen der Ehe gleich oder nahe kommen.“96
Diskriminierung von Regenbogenfamilien
„Im Berufsleben haben wir schon durch unsere Familiensituation Diskriminierungen erfahren, die unter anderem auch Jan den Job gekostet haben.“ Holger Henzler-Hübner, Jan-Dirk Hübner und Minh Kai Hübner (16)
Diskriminierungen können Lesben, Schwule und speziell Regenbogenfamilien überall begegnen: auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Gesundheits- und Versicherungswesen, beim Zugang zu Dienstleistungen der Familienbildung, in alltäglichen familiären Lebenskontexten, wie z. B. beim Spielen, Einkaufen, im Sportverein oder in der Schule, aber auch auf gesellschaftlicher Ebene in den Medien und in der Sprache.
Im Beratungsführer wurde bereits an unterschiedlichen Stellen auf strukturelle Diskriminierungen hingewiesen, z. B. im Rahmen schwul-lesbischer Familienplanung durch die rechtliche Ungleichbehandlung von Eingetragenen Lebenspartnerschaften und Ehen.
Was berichten die Studien über soziale Diskriminierung von Regenbogenfamilien?
Soziale Diskriminierung kann unterschiedliche Formen annehmen: Sie reicht von der kränkenden Äußerung („schwul“ oder „Homo“ als Schimpfwort) über bewusste Sticheleien, ignorieren und Ausschluss bis hin zu gewalttätigen Übergriffen.
Studien über Regenbogenfamilien, deren Kinder in der lesbischen Partnerschaft geboren wurden, berichten z. B. von subtilen Diskriminierungen der Co-Mütter während der Schwangerschaft und Geburt des gemeinsamen Wunschkindes. In der amerikanischen „National Lesbian Family Study“97 wurde jede vierte Co-Mutter (23%) von den Hebammen, Gynäkolog(inn)en und in den Geburtsvorbereitungskursen konstant ignoriert. Sie wurden bei Gesprächen nicht einbezogen, der Blickkontakt wurde gemieden, und sie erhielten keine Informationen.98 Es scheint hier fast so, als würde eine „zweite Mutter“ neben ihrer hoch schwangeren Partnerin unsichtbar und wäre mental als „entfernte Freundin“ und sicher nicht als werdender Elternteil präsent.
Eines der Vorurteile gegenüber Regenbogenfamilien nimmt an, das Kinder, die bei lesbischen Müttern oder schwulen Vätern große werden, vielfältige soziale Diskriminierungen erleben und dadurch „ernsthaften Schaden nehmen“. Psychosoziale Studien zeichnen jedoch ein entspannteres Bild. Kinder aus Regenbogenfamilien werden weder durch andere Kinder noch durch Erwachsene aufgrund ihres homosexuellen Familienkontextes stigmatisiert oder verstärkt abgelehnt. Sie berichten jedoch immer wieder von Hänseleien und „blöden Bemerkungen“, mit denen sie jedoch in der Regel umzugehen wissen. Auf jeden Fall geht hiervon keine anhaltend negative Wirkung aus auf die Entwicklung der Kinder.
„Erst ein einziges Mal habe ich mich heftigst geärgert. Als wir im Urlaub auf einem Bauerhof waren und schon bei der Schlüsselübergabe mit entsetztem Blick empfangen wurden. Einen Tag später hat dann die Vermieterin der Urlaubswohnung meine Tochter draußen abgefangen, um sie regelrecht „auszuquetschen“. Sie wollte wissen, warum sie mit zwei Frauen im Urlaub ist, und wo denn der Papa wäre, und warum sie denn nicht mit Mama und Papa in Urlaub ginge, ... all solche Dinge. Na, ja, aber schlimmere Dinge sind uns bisher noch nicht geschehen.“ Diana (24)
Entsprechende Studien haben sich bislang auf Kinder konzentriert, die aus ehemaligen heterosexuellen Bezügen stammen und so eine Trennung der Eltern und alles, was damit verbunden ist, erlebt haben. Erwachsene Kinder geschiedener lesbischer Mütter berichten z. B. über mehr Sticheleien durch Gleichaltrige während ihrer Kindheit als erwachsene Kinder geschiedener heterosexueller Mütter.99
Auch Söhne lesbischer geschiedener Mütter berichteten von Sticheleien durch Gleichaltrige. Hier scheint es unter den Peers wohl verbreitet, die Jungen mit einer vermeintlichen eigenen homosexuellen Orientierung aufzuziehen:100 „Bist ja selber schwul“.
Manche Studien berichten von einem temporären „Gefühl der Verlegenheit“ bei Kindern bezüglich der sexuellen Orientierung ihrer Eltern oder der Familienkonstellationen, in denen sie leben. Kinder lesbischer Mütter und schwuler Väter, die ehemaligen heterosexuellen Beziehungen entstammen, berichteten hier von der Sorge über die Reaktionen primär gleichaltriger Anderer, wie z. B. ihrer Mitschüler, neuer Freunde oder etwa der Mitglieder der Fußballmannschaft.101 In dieser Zeit kann es für sie bedeutsam sein, wer von der homosexuellen Orientierung ihrer Eltern weiß bzw. wer wann davon erfährt.102 Wenn entsprechende Sorgen bei den Kindern – oder besser Jugendlichen – aktuell groß sind, dann können die Kinder in Konflikt geraten zwischen der Loyalität ihren lesbischen Müttern oder schwulen Vätern gegenüber und dem Bedürfnis, sich zu schützen.103
Eine nahe liegende Bewältigungsstrategie kann in dem Versuch liegen, zu kontrollieren und verbindlich festzulegen, wo die Eltern offen lesbisch oder schwul sind und wo nicht.104 Dies kann im Familienalltag dazu führen, dass z. B. Einladungen nach Hause nur dann ausgesprochen werden, wenn die Eltern sicher nicht da sind. Oder den Eltern wird nachdrücklich mitgeteilt, dass sie auf gar keinen Fall zu zweit auf dem Abschlussball der Tanzschule ihrer Tochter auftauchen sollen. Oder die Kinder informieren diejenigen, die sie nach Hause eingeladen haben, über die sexuelle Orientierung der Eltern, um sie – oder sich selber – „schonend“ auf ein Aufeinandertreffen vorzubereiten. Wenn Jugendliche aus Regenbogenfamilien eine solche „Angst- und Kontrollphase“ erleben, ist es wichtig, dass die Mütter oder Väter hiermit gelassen umgehen, ohne sich – um des Kindes willen – selbst zu verleugnen. Territoriale Coming-Out-Absprachen können dann eine Zeitlang ebenso zum Familienalltag gehören wie das alltägliche in der Pubertät verbreitete Aufräum- und Mülldebakel. Diese pubertären „Tarnkappen-Phasen“ sind in Studien aufgespürt worden, in denen in erster Linie Kinder befragt wurden, die aus ehemals heterosexuellen Beziehungen stammen.105
Studienergebnisse legen nahe, dass die Akzeptanz des homosexuellen Familienhintergrunds von (Scheidungs)kindern während der Adoleszenz besser ist, je stabiler und positiver die Beziehung zwischen den Eltern und den Kinder ist und je sensibler die Eltern die Ängste der Kinder mit berücksichtigen im Coming-Out gegenüber dem außerfamiliären Umfeld. Eine größere Zurückhaltung im Umgang mit dem Familienhintergrund, wenn die Pubertät naht, zeigen entsprechend Mütter, deren Kinder in der lesbischen Partnerschaft geboren wurden. So berichtet die amerikanische „National Lesbian Family Study“,106 dass etwa ein Viertel dieser Mütter, wenn die Kinder zehn werden, ihren Familienhintergrund nicht mehr vollkommen offen präsentieren. Als die Kinder eingeschult wurden, war nur etwa jede zehnte hier „vorsichtig“. Von den Kids sind jedoch nur 4% in der Schulklasse „im Schrank“. Fast 60% gehen vollständig offen mit dem Familienhintergrund um, und beim Rest wissen es die Gleichaltrigen, die ihnen wichtig sind.
„Ich glaube, die Große in der Vorpubertät verschweigt es eher (hat gar keinen Zweck, denn die Eltern und Lehrer/innen wissen es sowieso), ansonsten sagte sie immer, sie habe zwei Mütter. Das war es dann.“ Lesbische Mutter (9)
Neuere Studien – wie die gerade zitierte – berücksichtigen zunehmend Kinder, die ihren Ursprung in Regenbogenfamilien haben oder zumindest in sehr jungen Jahren in die Familie kamen.
Ein Forscher(innen)team um Charlotte Patterson untersuchte z. B. in Zusammenarbeit mit der Sperm Bank of California Kinder, die durch heterologe Insemination bei lesbischen und heterosexuellen Paaren zur Welt kamen.107 Alle diese Kinder verfügten über gute soziale Kompetenzen und waren gut sozial integriert, nichts deutete hier auf vermehrte soziale Diskriminierungen der Kinder aus Regenbogenfamilien hin. Frauen, die mithilfe von Samenbanken ihren Kinderwunsch verwirklichen, haben in der Regel ein hohes Bildungsniveau und sind finanziell eher besser gestellt. So fragten sich die Forscher/innen, ob gerade diese lesbischen Mütter ungewöhnlich gut in der Lage sein könnten, ihre Kinder vor etwaigen Diskriminierungen zu schützen – sei es, weil sie z. B. in der Wahl des Wohnviertels und der Kindertagesstätten oder Schulen bessere Möglichkeiten haben oder es ihnen leichter fällt, ihre Kinder psychosozial und emotional „auf das Leben vorzubereiten“. Daten einer landesweiten amerikanischen Studie, der National Longitudinal Study of Adolescent Health (Add Health), die Jugendliche aller Bevölkerungsgruppen erfasste, kamen hierbei gerade recht. Diese Ergebnisse bestätigten, dass Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren, die bei lesbischen Mütter oder schwulen Vätern aufwachsen, weder vermehrt Opfer von schweren Diskriminierungen werden, noch mehr Ärger in der Schule haben. Es zeigte sich im Gegenteil sogar, dass Jugendliche aus Regenbogenfamilien sich mit ihren Mitschüler/innen und den Pädagog(inn)en enger verbunden fühlten als ihre Altersgenossen aus heterosexuellen Familienkonstellationen.108 Die Studie belegt darüber hinaus, dass es für das psychische Wohlbefinden und die Entwicklung der Kinder vollkommen gleichgültig ist, ob sie bei zwei Männern oder zwei Frauen aufwachsen. Entscheidend war nicht das Geschlecht der Eltern, sondern einzig die Nähe und Stabilität der Eltern-Kind-Beziehungen.
Charlotte Patterson weist jedoch darauf hin, dass Kinder in Regenbogenfamilien, ob sie nun aus ehemaligen heterosexuellen Beziehungen stammen oder „hineingeboren“ wurden, im täglichen Leben durchaus homofeindlichen Ansichten begegnen. So zeigen die jüngsten Ergebnisse109 der amerikanischen „National Lesbian Family Study“, dass jedes zweite der mittlerweile 10-jährigen (Inseminations-)Kinder lesbischer Mütter von homofeindlichen Hänseleien und dummen Sprüchen durch Gleichaltrige berichten. Natürlich macht das die Kinder wütend und traurig.
„Am Anfang, als ich in der zweiten Klasse war, machten einige Kinder im Bus Bemerkungen. Jetzt passiert das nicht mehr ... Ich hab sie ignoriert. Ich habe mich mies gefühlt.”110
„Es verletzt meine Gefühle, weil ich weiß, dass es nicht schlecht ist. Einige der Menschen, die sich um mich kümmern und um die ich mich kümmere, sind lesbisch oder schwul. Wenn diese Kinder jemanden kennen würden, der homosexuell ist, würden sie diese Dinge nicht mehr sagen.“111
Gut jede(s) dritte Kind (39%) setzte sich in der Studie verbal zu Wehr und holt sich Unterstützung.
„Ein Kind sagte mal, dass es Schwule und Lesben nicht leiden könne und ich sagte: „Du meinst Menschen wie meine Mutter!“ Und es sagte: „Ich wusste nicht, dass deine Mutter lesbisch ist.“ Dann fragte ich ihn, wenn er einen Freund hätte, der farbig wäre, würde er dann aufhören, sein Freud zu sein. Und er antwortete: „Nein“. Ich sagte ihm, das wäre dasselbe.”112
„Es gibt ein Kind, das mal was gegen meine Mütter gesagt hat. Er sagt üble Sachen über alle möglichen Leute. Ich sagte: „Nimm das zurück!“ Einige Kinder versuchten mir zu helfen. Hinterher fühlte ich mich – ich kann es schlecht erklären – als würde ich ihm gerne eine runterhauen.“113
„Das einzige Mal, das ich erinnere, war im letzten Jahr. Ein Mädchen kam zu mir und sagte, meine Mütter würde in die Hölle kommen. Ich habe mich wahrscheinlich umgedreht und es dem Lehrer erzählt. Es ist schwer zu erinnern, wie ich mich gefühlt habe ... wahrscheinlich traurig, bestimmt verärgert, doch nicht den Tränen nahe.“114
Alle diese Studien zeigen jedoch – wie bereits die große Masse amerikanischer und europäischer Studien – dass Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, sich nicht nur prächtig entwickeln können, sondern es auch durch die Bank tun – auch wenn sie soziale Diskriminierungen erleben.115
Studien deuten darauf hin, dass das Ausmaß an Sticheleien wegen der Homosexualität der Eltern bei Kindern im Zusammenhang stehen könnten mit der eigenen Gelassenheit dem „Regenbogenfamilienhintergrund“ gegenüber: Kinder werden weniger gehänselt, je offener sie selbst, ihre Eltern und andere Freunde und Familienmitglieder mit der sexuellen Orientierung umgehen.116
„Alltägliche Kleinigkeiten – Dinge, wie die ständige Frage an Minh Kai: „Wo ist denn deine Mami?“ und Minh Kais ständige Antwort: „Ich habe keine Mama, ich habe zwei Papas!“ Auch Bemerkungen über das fremdländische Aussehen fallen öfter und die Frage, ob das mein „echtes“ Kind sei. Was ich dann immer bejahe, weil ich Minh Kai für sehr echt halte!!“ Holger Henzler-Hübner, Jan-Dirk Hübner und Minh Kai Hübner (16)
